Das Neue Zeitalter: Reshad Feild




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Reshad Feild

Der Koch aus Afghanistan

Wir müssen vorsichtig sein mit dem, worum wir bitten. Bitten wir zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen Haltung, erhalten wir vielleicht tatsächlich, worum wir gebeten haben. Häufig beklagen sich Leute darüber, dass sie nicht erhalten, worauf sie ein Recht zu haben glauben, nachdem sie viel gebetet haben für etwas, das sie wollen. Es gibt viele Gründe für unerwiederte Gebete, aber gewiss ist einer davon, dass nichts geschieht, bis die rechte Zeit gekommen ist. Auch muss das Bedürfnis echt sein, aus dem Herzen stammen und nicht eine intellektuelle Vorstellung oder ein selbstsüchtiges Verlangen sein. Manchmal, wenn wir aus selbstsüchtigem Verlangen bitten, erhalten wir, was wir wollen, aber statt dass es sich für uns zum Guten wendet, wendet es sich gegen uns, und es geht uns schlechter als zuvor.

Zu lernen, wie eine angemessene Frage gestellt wird, ist eine der bedeutsamsten Lehren, die wir erhalten können. In der Tradition der amerikanischen Indianer zum Beispiel ist das Stellen einer Frage von höchster Wichtigkeit. Bevor sie eine wirkliche Frage stellen, reinigen sie sich häufig in einer Schwitzhütte und gehen möglicherweise allein auf einen Berg auf Visionssuche. Sie machen sich selbst rein und ihre Frage klar, damit die Frage auf dem Wind in Reinheit zum Großen Geist fliegen kann. Häufig beten sie für eine wahre Vision oder ein offenbarendes Zeichen, das ihnen die richtige Richtung in ihrem Leben zeigen wird. Diese Antwort oder diese Vision ist nicht nur für sie selbst, sondern für die ganze Gemeinschaft oder für einen größeren Zweck bestimmt.

Während der Zeit in Los Angeles, zur Zeit des Instituts für Bewusstes Leben, mieteten wir ein sehr großes Haus für einen Kurs mit Unterkunft. Der Kurs war auf genau vierzig Tage und Nächte festgelegt, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt so etwas wie die Weisheit der Unbeständigkeit!

Mit der klaren Absicht im Sinn, begann ich ein Team zusammenzustellen, das bei der Durchführung des Kurses helfen sollte. Schließlich waren wir bereit, in das Haus einzuziehen und Studenten zu empfangen, die aus der ganzen Welt gekommen waren. Das einzig wirkliche Problem, das sich uns stellte, bestand darin, einen Koch zu finden! Kochen muss bewusst sein, und im WERK muss es doppelt bewusst geschehen. Ist der Koch verärgert, geht der Ärger in die Nahrung. Ist der Koch liebevoll und bewusst, dann hat auch das seine Auswirkungen. Ich bestehe immer darauf, dass die Nahrung von hoher Qualität ist. Kochen ist eine harmonische Komposition von künstlerischem Wert, und die Schönheit des Geschmacks ist eine notwendige Zutat in der grundlegenden Komposition.

Wie aber sollte ich ein Koch finden, der zudem wach war? Es machte keinen Sinn, in einer Zeitung Annoncen zu schalten oder zu einer Agentur zu gehen, weil sie keine Ahnung davon hätten, was wir tun oder warum. Vielleicht würden sie sogar misstrauisch reagieren, und das würde Schwierigkeiten verursachen. Ich telefonierte überall in den Staaten herum und konnte niemand Passenden finden. So begann ich mir Sorgen zu machen, weil bis zum Eröffnungsdatum nur noch drei Wochen blieben. Verzweifelt kniete ich nieder und betete darum, dass ich erfahren würde, wo ich den richtigen Koch finden könnte.

Es geschah nun genau zur gleichen Zeit, dass ein Derwisch in Afghanistan eine Vision hatte von einem Engländer, der in Los Angeles einen Koch suchte. Sein Name war Ali. Es gelang ihm, etwas Geld zu finden und innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach seiner Vision nach Los Angeles zu fliegen. Sufis ist es nicht erlaubt, nicht zu handeln, und Derwische können häufig wilde und spontane Geschöpfe sein!

Ali kam in Los Angeles an. Er trug einen langen blauen Mantel und ein französisches Beret. Fast drei Wochen lang war er auf der Suche nach einem Engländer, der einen Koch brauchte, durch die Straßen gelaufen. Die Nächte verbrachte er unter den Brücken bei den Obdachlosen, tröstete sie und sprach seine Gebete. Er brachte eine außerordentliche Menge Licht zu all den armen Leuten, denen er begegnete. Eines Tages sah er im Vorhof eines großen Privathauses ein Schild, das, „Die Erste Sufi-Kirche Christi“ anzeigte. Er klopfte an die Tür, und raten Sie mal, von wem er begrüßt wurde? Es war E. J. Gold, wieder einmal, der eine getarnte esoterische Schule leitete. Jedes Jahr pflegte er den Namen der Schule zu ändern, um seine Studenten wach und auf Zack zu halten.

Ali sagte: „Entschuldigen Sie, mein Herr, ich weiß, es hört sich ein wenig seltsam an, aber kennen Sie einen Engländer, der einen Koch sucht?“

Eigenartigerweise war E. J. von dieser Frage nicht überrascht. Er antwortete: „Das tue ich tatsächlich.

Bitte kommen Sie doch herein und trinken Sie eine Tasse Tee.“

Bald danach rief er mich an und fragte: „Reshad, brauchst du vielleicht einen Afghani -Koch?“

Zuerst war ich ein wenig perplex und erwiderte: „Nun, ich weiß nicht recht.“

E. J. sagte: „Gut! Wir schicken ihn hinüber!“

So wurde die Verbindung hergestellt. Sie sehen: Nur wenn wir wissen, dass wir nicht wissen, kann etwas Reales geschehen. Wenn wir meinen, wir wüssten etwas, dann kann nichts geschehen.

Etwa eine Stunde später klopfte es an die Tür. Da stand Ali, der den ganzen Weg von Afghanistan hierher gemacht hatte. Er lächelte mich an und stellte sich vor, indem er ganz einfach sagte: „Ich bin Ali.“ Wir setzten uns, tranken Tee, und ich fragte ihn, wie er mich gefunden hätte. Er erzählte mir von seiner Vision. Es erschütterte mich, weil sie zeitlich mit meinem Gebet, das ich von ganzem Herzen gesprochen hatte, übereinstimmte, und ich spürte, dass eben einem wahren Bedürfnis entsprochen wurde.

Die Derwische lieben Geschichten, und wir erzählten einander viele, tauschten alle Arten von Anekdoten aus. Schließlich kamen wir zum wirklichen Sinn des Treffens.

Ich sagte: „Ali, ich möchte, dass Sie unser Koch sind.“

„Mein Herr,“, erwiderte er mit würdevoller Bescheidenheit, „es wäre mir eine Ehre, Ihr Koch zu sein!“

„Es ist sinnlos, zu fragen, ob Sie ein guter Koch sind. Aber sagen Sie mir die Wahrheit. Können Sie neben indischem Essen auch anderes kochen?“ fragte ich.

Er lächelte und sagte: „Oh ja! Ich habe einmal in New York gelebt und dort kochen gelernt.“

Er kam also und lebte bei uns im Herrschaftshaus; er wohnte im Keller neben dem Heizungsraum. Es stellte sich heraus, dass er ein unglaublicher Koch war. Ich glaube nicht, dass er jemals schlief. Wenn die Tagesarbeit getan war, leitete er die Abendgebete und die Klangmeditation, danach zog er seinen langen blauen Mantel an, setzte sein Beret auf und verschwand in der Nacht. Später habe ich entdeckt, dass er Obdachlosen half, die in der City von Los Angeles lebten. Aber immer kam er rechtzeitig zum Frühstück zurück.

Auszug aus: Reshad Feild: „Jede Reise beginnt mit einer Frage“, erschienen im Wolfgang Krüger Verlag, 1997, ISBN: 3-8105-0634-6

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